Sonja Zguem ist Berufsschülerin der Hans Mandl Berufsschule für Industrie, Finanzen und Transport. Sie hat heuer beim Redewettbewerb „SAG’S MULTI!“ gewonnen. Auf Arabisch und Deutsch hat sie über „Das Leben ist eine Reise“ gesprochen.
„City & Life:“ Wie bist du auf die Idee gekommen, bei „SAG’S MULTI!“ mitzumachen?
Sonja Zguem: Eigentlich ist es nicht das erste Mal, dass ich an einem Redewettbewerb teilnehme. Aber von diesem mehrsprachigen Redewettbewerb habe ich durch Zufall von einer Klassenkameradin erfahren, die mit mir in die Berufsschule geht. Und da sich bei diesem Redewettbewerb nur Schülerinnen und Schüler, die als Muttersprache nicht Deutsch haben, mitmachen durften, habe ich mich beworben. Ich bin ja mütterlicherseits Österreicherin und väterlicherseits Tunesierin.
Was ist die größte Herausforderung für dich gewesen?
Das Hauptthema hieß „Das Leben ist eine Reise“, und dazu gab es zehn Unterthemen. Es war eine große Herausforderung, mich für eines dieser Unterthemen zu entscheiden, da ich alle Themen sehr interessant fand, und ich hätte zu jedem Thema genug zum Sagen und Erzählen.
Wie viel hast du geübt?
Eigentlich habe ich nicht viel geübt, ich habe mehr Zeit damit verbracht, meine Ideen so gut wie möglich schriftlich auszudrücken (also die richtigen Ausdrücke zu finden), als mich auf die Rede vorzubereiten.
Was haben Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen und dein Chef dazu gesagt?
Meine Freundinnen und Freunde waren begeistert, also hat sich ihre Ermutigung gelohnt. Meine Kolleginnen und Kollegen haben sich auch mit mir gefreut, manche waren sogar ein bisschen eifersüchtig, als ich ihnen vom Hauptpreis erzählte. Ich darf im Sommer eine Woche nach Moskau fliegen.
Mein Lehrlingsausbildner hat sich natürlich auch gefreut, nicht nur dass er mir herzlich gratulierte, sondern er hat mich mit einer kleinen Prämie belohnt.
Aber vor allem meine Eltern in Tunesien waren stolz auf mich, dass ich auf Arabisch und auf Deutsch meine Meinungen äußern konnte, und das Ganze noch zusätzlich im Fernsehen vor der ganzen Öffentlichkeit.
Worüber hast du gesprochen?
Mein erstes Thema war „Die Welt gehört mir“. Hier habe ich versucht, den Zuhörerinnen und Zuhörern zu vermitteln, dass diese Welt – mit all ihren Ländern – verschmolzen ist, was sich auch durch die Wirtschaft (Globalisierung) bestätigt. „Fahren wir nicht alle ein Auto, das mit irakischem, libyschem oder saudiarabischem Benzin getankt wird?“ Oder: „Essen wir nicht alle Oliven, Orangen oder Datteln, die aus Italien, Spanien oder Tunesien importiert werden?“
Ein Teil meiner Rede bezog sich auch auf meine private Welt: „Die Welt der multikulturellen Verbindung zwischen dem Orient und Europa“. Da ich halb Tunesierin und halb Österreicherin bin.
In der Endausscheidung sprach ich über das Thema „Für mein Leben habe ich vor …“ In diesem zweisprachigen Vortrag fokussierte ich mich auf die Auswanderungsgründe von Emigrantinnen und Emigranten, die ein schönes, sicheres und freies Leben im Ausland suchen, ein bestimmtes Ziel anstreben, einem bestimmten Beruf nachgehen. In Meinungsfreiheit und in Sicherheit zu leben sind auch Gründe, die Heimat zu verlassen. Meine Mutter hat auch ihre Heimat Österreich vor 17 Jahren verlassen, um dem Ruf ihres Herzens zu folgen. Sie ist voller Courage nach Tunesien gezogen, um bei ihrem Mann zu sein und um ihre zwei Kinder, meine Schwester und mich, dort großzuziehen.
Wie hast du das mit der Übersetzung geschafft? Wie bist du vorgegangen?
Ich habe den Aufsatz zuerst auf Deutsch geschrieben und dann einen Satz bzw. einen Paragrafen nach dem anderen ins Arabische übersetzt. Um manche Ausdrücke so identisch wie möglich zu übersetzen, hat mich ein tunesischer Freund unterstützt.
Was empfiehlst du Leuten, die überlegen, bei „SAG’S MULTI!“ mitzumachen?
Es lohnt sich auf jeden Fall mitzumachen. Ich finde, viele Jugendliche reißen das Maul bei jedem Blödsinn immer groß auf, aber wenn es um ernste Themen geht, verschwinden sie gleich. Ich finde, der „SAG’S MULTI!“-Redewettbewerb ist eine gute Möglichkeit, seine schönen sowie schlechten Erfahrungen der Öffentlichkeit mitzuteilen bzw. mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Man kann sich als Ausländerin oder Ausländer bzw. als Halb-Ausländerin oder Halb-Ausländer beweisen, dass man die Sprache gut schreiben und reden kann.
Was hat es dir selbst gebracht? Hast du Selbstvertrauen gewonnen?
Ich habe es genossen, auf dem Podest zu stehen, die Leute anzuschauen und ihnen meine Meinung hinsichtlich vieler Dinge ins Gesicht zu sagen.
Ich find es cool, unter den Top 15 von 207 Schülerinnen und Schülern zu sein. Gewonnen habe ich: ein Rhetorik-Seminar, einen MP3-Player und eine Reise nach Moskau, aber auch mehr Selbstbewusstsein, Anerkennung, Stolz und Kontakte. Es ist auf jedem Fall eine gute Erfahrung, vor vielen Zuhörerinnen und Zuhörern – ungefähr 200 Personen – aufzutreten, um zu argumentieren und deutlich seine Ideen auszusprechen.







