„Frauen können nicht einparken und Männer weinen nicht: Was ist dran an Rollenklischees?“ So lautete das interessante Thema des City & Life Talks am Freitag. Das Jugendmagazin der Stadt Wien lud wieder in den Media Tower.

16. Dez. 2011PrintArtikel senden

Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Wiener Schulen folgten der Einladung und diskutierten mit prominenten Gästen, wie Kabarettistin Andrea Händler, Claudia Bohmann, Ärztin und Kick-Boxerin, Rapperin EsRap, BAKIP-Schüler Sami und Marco.

Starke Frauen

Die Rapperin Esra alias „EsRap“ steht gemeinsam mit ihrem Bruder auf der Bühne. Dabei nimmt sie den „harten“ Part des Rappens ein, während er gefühlvoll singt. „Ich wirke stark auf der Bühne. Manche Leute sind davon sehr irritiert, weil sie nur harte Jungs als Rapper kennen. Aber jeder Mensch ist anders. Ich lasse mich nicht in irgendwelche Rollen pressen, die mir nicht gefallen. Ich gehe meinen Weg, weil er mir Spaß macht.“

Andrea Händler ist, was man eine „starke Frau“ nennt. Die Kabarettistin hält von Rollenklischees wenig: „Es gibt wenige Frauen, die Kabarett machen. Es passiert oft nach Auftritten, dass Männer kommen und sagen: ,Sie sind eh lustig!´ Das stört mich. Frauen sind doch generell lustiger, weil sie über sich selber mehr lachen können, Männer sind da viel schneller beleidigt“, sagt Händler. Trotzdem mag sie es, wenn ein Mann der Frau die Türe aufhält oder das Essen bezahlt. 

Respekt hart erarbeitet

Auch Claudia Bohmann ist in ihrem Beruf erfolgreich. Die Ärztin am Otto-Wagner-Spital ist Welt- und Europameisterin im männerdominierten Kick-Boxen. „Ich war seit meiner Jugend von diesem Kampfsport fasziniert und habe mir den Respekt hart erarbeitet.“

Es stört sie aber, dass in der Medizin bei Postenbesetzungen oft Männer bevorzugt werden: „Dabei geht es doch vor allem in der Chirurgie um handwerkliches Geschick. Und das kann Frau und Mann in die Wiege gelegt worden sein“.

Zur Rolle erzogen

Die Diskussionsrunde wurde in bewährter Manier von Puls4-Moderatorin Manuela Raidl geleitet. Gemeinsam erkannten sie den Ursprung von Klischees in der Erziehung oder im Verhalten des Umfeldes. Einer der wenigen Männer, die eine Ausbildung an der BAKIP (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik) machen, ist Sami Raischaabane, der Kindergärtner werden möchte. „Auch wenn es in meiner Klasse noch immer ein 2:1 Verhältnis Frau:Mann gibt, sollte man machen, was man möchte. Und nicht auf die typischen Rollen fixiert sein“, so Sami.


Marco, besucht in Wien eine Schule für soziale Berufe und ist überzeugt, dass die Gesellschaft die Klischees mitbestimmt. „Ich habe schnell erkannt, dass die Arbeit im Sozialbereich von Frauen dominiert wird, aber auch genau das Richtige für mich ist.“ Marco findet es gut, dass in seinem Job ausnahmsweise Mann und Frau dasselbe verdienen.

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