Dieses Mobile-Game aus Wien zählt momentan zu den spannendsten Neuerscheinungen. Vor allem das postapokalyptische Szenario und der Umgang mit Ressourcen beeindrucken. Wir baten die Game-Entwicklerin zum Interview.

Ohne CURE bist du tot. Das ist die Ausgangsbasis für „CURE Runners“, dem neuen Mobile Game aus Wien. Denn die Endzeitwelt, in der das Spiel zockt, ist durch tödliche Pollen vergiftet. CURE ist dabei sowohl Heilmittel als auch Währung. Wer es nicht hat, ist am Ende. Die Spielerin oder der Spieler muss als Runner die vergiftete Welt überwinden, von Wüsten über Städte bis Dschungel. Hier gibt es nicht nur reichlich Action. Nur wer auch gut mit seinem CURE haushalten kann, überlebt.

Entwickelt wurde „CURE Runners“ von vier Jungunternehmerinnen des Start-ups Three Coins und der Wiener Spieleschmiede ovos. Das Spiel ist ab sofort kostenlos für iOS und Android verfügbar! Wir sprachen mit Lena Robinson von Three Coins.

City & Life: Wie begann das Projekt „CURE Runners“? Können Sie uns einen kurzen Überblick zur Entwicklungsgeschichte geben?

Lena Robinson: Dass Schuldenkarrieren meist in jungen Jahren ihren Anfang haben, hat meine Kollegin Katharina Norden 2011 dazu bewegt, Three Coins zu gründen und die Idee für das Game bei der Initiative „Ideen gegen Armut“ einzureichen. Der Gewinn des Innovationspreises hat dem Projekt sein Startkapital verliehen. Zuerst wurden dann zwei Prototypen produziert und getestet. Im Anschluss gingen wir endgültig, in Partnerschaft mit dem Game-Entwickler-Studio ovos, in die Produktion von „CURE Runners“. Das war im Frühjahr 2013.

Im Spiel geht es um eine postapokalyptische Welt. Woher kam die Idee zu dieser Story und diesem Setting? Wie schwierig war es die coole und düstere Grafik zu erschaffen?

Unser erster Prototyp war eher niedlich, die Story und das Gameplay waren ganz andere. Es handelte sich um ein reines Facebook-Game. Darin musste man in seine erste Bude ziehen und die coolsten Partys schmeißen. Als wir das den jungen Leuten zum Spielen gegeben haben, waren die nicht so begeistert. Sie wollten Postapokalypse. Und wen wundert es, wenn man sich die derzeitigen Trends bei Videospielen ansieht? „Tomb Raider“, „Fallout 3“, „Bioshock“, „The Last of Us“. ovos, die unser Game entwickelt haben, blicken letztendlich auch zu diesen Games auf und lassen sich von denen sowie von Fotos von verfallenen Gebäuden und verlassenen Orten inspirieren. Die Idee zu CURE als Ressource kam übrigens von der Gamedesignerin Doris Rusch, die mittlerweile an der DePaul University in Chicago unterrichtet.

In Sachen Gameplay: Was ist das Besondere an „CURE Runners“?

„CURE Runners“ ist ein Parkour Runner. Das ist ein sehr beliebtes Jump-’n’-Run-Genre bei Mobile Games, siehe etwa „Temple Run“ oder „Subway Surfers“. Das Hauptproblem in unseren Spielmissionen ist die ablaufende Zeit: Es gibt Gasmasken zum Einsammeln. Findet man keine, beginnt CURE abzulaufen. Von der Story her macht das Sinn, da die Luft auf der Insel wegen Pollenstürmen vergiftet ist und man ohne Gasmaske CURE gegen die Vergiftung nehmen muss.

Das setzt die Spielerin oder den Spieler ganz schön unter Druck: Wenn ihr oder ihm das CURE beginnt auszugehen, kann sie beziehungsweise er sich entscheiden: Option eins ist, die Mission aufzugeben und nochmals von vorne zu spielen. Das ist anstrengender und mehr Aufwand, ist dafür allerdings kostenschonend. Option zwei ist, die Mission fortzuführen, obwohl dafür CURE abgezogen wird. Das ist einfacher und komfortabler, aber man „erkauft sich seinen Erfolg“ und macht Schulden. So verfehlt man die Sparziele und den Highscore und verliert CURE.

Alles kostet CURE: Die Ausrüstung und die Skills, mit denen ich mir im Game einen Vorteil verschaffe, Miete und Essen, die Reise von einer Welt in die nächste. Deshalb hat die Entscheidung, wie ich die Missionen spiele, einen großen Einfluss auf meine Weiterentwicklung im Game.

Was waren bei der Entwicklung des Spiels die größten Herausforderungen?

Für unsere Partner ovos war die Herausforderung die Art des Spiels. Denn mit einem Spiel, in dem es NICHT um Geld geht, Finanzkompetenz zu vermitteln, zählte für sie zu den spannendsten Gamedesign-Herausforderungen, an denen sie bis jetzt gearbeitet haben. Es war uns von Three Coins immer unglaublich wichtig, ein Spiel zu kreieren, das Spaß macht und vorwiegend freiwillig gespielt wird, das also als Spiel alleine für sich stehen kann. Die wichtigsten Lerninhalte im Umgang mit Geld zu verpacken, ohne dass sie den Spielspaß stören oder unnatürlich wirken, war ein längerer kreativer Prozess. Es ist dann letztendlich gelungen, die Ressource CURE als Überlebensmittel auch direkt ins Gameplay reinzubringen und damit die „Sichtbarkeit“ der „Währung“ während des Spiels zu erhöhen.

Gibt es schon erstes Feedback zum Game? Welche Rolle spielten Testspielerinnen und Testspieler in der Entwicklung?

Wir haben in der Entwicklung mit sicher über 150 Jugendlichen verschiedenen Alters getestet. Sie spielten eine sehr große Rolle, da wir alle wichtigen Feedbacks in die nächste Version integriert haben.

Ich habe bereits erzählt, dass wir unseren ersten Prototyp ganz verworfen haben. Unser zweiter Prototyp zum Beispiel war vom Gameplay her viel strategischer, eine Art „Point and Click“, wo jeder Schritt zählt. Beim Testen haben wir bemerkt, dass die Spielerinnen und Spieler lieber Wischbewegungen am Handy ausführen und auch diese Art von Mobile Game besonders beliebt ist. Deswegen ist „CURE Runners“ jetzt eine Art „Endless Runner“.

Unsere jetzige Version hat extrem gutes Feedback bekommen, vor allem weil die Grafik für ein Mobile Game echt top ist.

Wie würden Sie Ihre Ziele mit „CURE Runners“ definieren? Gibt es da konkrete Vorstellungen?

Kurzfristig wollen wir möglichst viele Spielerinnen und Spieler gewinnen! Wir haben uns früh dazu entschlossen, das Game gratis zur Verfügung zu stellen, da wir so viele junge Menschen wie möglich erreichen wollen.

Euer 4-Frauen-Start-up heißt Three Coins. Wofür steht der Name und wie habt ihr euch gefunden?

Auf der Suche nach einem Namen wurden wir von einem slowakischen Märchen inspiriert, in dem es um Finanzkompetenz geht. Es heißt „Das Märchen von den drei Groschen“ und handelt von einem armen Mann, der durch seinen geschickten Umgang mit Geld die Gunst des Königs erwirbt.

Wir sind ein sehr buntes Team mit Hintergründen in Recht, Wirtschaft, Soziologie, Anthropologie und Wirtschaftspädagogik. Was uns vereint, ist der Wunsch, unsere Fähigkeiten einer sozialen Mission zur Verfügung zu stellen.

Kathi ist schon seit ihrer Jugendzeit Unternehmerin und hat die Geschäftsführung von Three Coins über. Sie hat am Beginn des Projekts „Game“ feststellen müssen, dass es kaum Grundlagenforschung im Bereich „Umgang mit Geld“ in Österreich gibt. Deshalb hat sie gemeinsam mit Anna beschlossen, einen „Think Tank“ zu gründen, der diesen Bereich vorantreibt. Darum haben wir einen starken Fokus auf Forschung und Entwicklung. Ich bin gleich am Beginn für eine PR-Kampagne dazugestoßen und bin mittlerweile die Schnittstelle zur Jugend- und Sozialarbeit. Und Eva hat uns vor sechs Monaten mit ihrer Expertise in Projektmanagement und Planung bereichert.

Ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, steht schon das nächste an? Gibt es Ideen für weitere Apps oder anderes?

Ja, wir arbeiten bereits seit letztem Jahr an Trainingspaketen, die auf das Spiel aufbauen und ihren Weg in Klassenzimmer, Jugendzentren und Jugendgruppen finden sollen, wo dann auch das Thema „Umgang mit Geld“ Platz bekommen soll. Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz gefördert und in Kooperation mit den Schuldenberatungen konzipiert. Und wir sind auch schon am Beginn der Weiterentwicklung der Budget-App, die als CURE Planer versteckt bereits im Spiel selbst vorkommt!

Wie ist das eigentlich als Computerspielentwicklerinnen beziehungsweise -entwickler in Wien? Gibt es hier eine fruchtbare Szene? Erfahren kreative Gamedesignerinnen und -designer Unterstützung von der Stadt Wien?

Ja, es gibt eine lebendige Szene in Wien, vor allem bei Indie-Entwicklerinnen und -Entwickler. Die ist nicht allzu groß, aber sehr aktiv. ZIT und departure unterstützen immer wieder Game-Projekte, darunter auch das Projekt „Ludwig“ unserer Partner, den Game-Entwicklern ovos. Wir als Three Coins haben die Social-Media-Förderung web x.0 der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien zugesagt bekommen und letzte Woche eingereicht! Und wir sind immer im Austausch und nehmen zum Beispiel am 15. April am ZIT-Innovationsgespräch „Smart Games & Smart City“ teil.

Infos

Three Coins
Cure Runners
Cure Runners im App-Store
Cure Runner im Google-Play-Store
ovos
ZIT
Wirtschaftsagentur
Smart Games & Smart City

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